Historischer Abriss

Historischer Abriss

Nachfolgend wollen wir Ihnen, beginnend von der ersten urkundlichen Erwähnung 1099, über die Verleihung des Marktrechts 1485 oder der Einführung der Reformation in Grönenbach 1559 einen geschichtlichen Überblick über Bad Grönenbach geben. Der historische Ausflug endet mit dem Besuch Sebastian Kneipps und mündet schlussendlich in der Verleihung des Prädikats Kneippheilbad, woraufhin sich Grönenbach fortan Bad Grönenbach nennen darf.

1099

Erste urkundliche Erwähnung Grönenbachs. Ein welfisches Adelsgeschlecht herrscht über den Ort. Die Nonne Adelheid von Grönenbach stirbt im Kloster Ottobeuren 1260, damit erlischt das lokale Adelsgeschlecht.

1136

Stiftskirche in Grönenbach

Der Augsburger Bischof weiht im Mai die Pfarrkirche St. Philippus und Jakobus. Die Krypta (Bild) stammt noch aus dem damaligen romanischen Bau.

1293

Wappen der Rothensteine

Die Rothensteiner – namentlich ein Konrad – treten als Dienstmannen des Fürststifts Kempten auf.

12. / 13. Jhd.

Hohes Schloss

Baubeginn des Hohen Schlosses. Es wird um einen Nagelfluhfelsen errichtet, der teils bis in das Obergeschoss reicht. Die Form des Felsens bestimmt somit auch die Form des Schlosses mit.

1330

Ludwig "der Alte" von Rothenstein gelangt in den Besitz von Grönenbach. Andere Zweige der Rothensteiner haben ihren Sitz in Woringen und in Ittelsburg auf dem Falken.

14. Jhd.

Die Herrschaft über Grönenbach geht den Rothensteinern für kurze Zeit verloren und fällt an Hans Rizner von Memhölz und später an Hans den Syrgen von Syrgenstein.

1384

Die Brüder Ulrich und Konrad von Rothenstein erwerben Schloss und Herrschaft Grönenbach von Hans dem Syrgen zurück. Konrad war zwei mal verheiratet. Aus der Ehe mit Ursula von Hattenberg ging die Tochter Korona, aus der Ehe mit Hildegard von Frundsberg gingen die Söhne Ludwig und Thomas hervor.

1409

Konrad von Rothenstein stirbt und teilt sein Vermögen zwischen seiner Tochter Korona und den Söhnen Ludwig und Thomas auf. Korona ist in Woringen mit Haupt von Pappenheim vermählt.

1445

Stiftskirche in Grönenbach

Da die Pfarrkirche zwischenzeitlich zu klein und baufällig war, wurde diese in gotischem Stil neu errichtet bzw. umgebaut. Im Oktober 1445 wird sie erneut geweiht.

1446

Ludwig erwirbt die Herrschaft Theinselberg mit der Hochgerichtsbarkeit, damit ist es ihm gestattet auch Todesurteile zu verhängen.

1471 oder 1473

Thomas von Rothenstein stirbt und vermacht seinen gesamten Besitz seinem Bruder Ludwig.

1479

Heilig-Geist-Spital

Da die Ehe zwischen Ludwig von Rothenstein und Jutta von Hürnheim kinderlos ist, stiften beide das Heilig-Geist-Spital zur Aufnahme armer Leute und zur Verpflegung von Pilgern.

1479

Kollegiatstift in Bad Grönenbach

Die Pfarrkirche wird zur Stiftskirche erhoben und ein Kollegiatstift (Bild) mit 12 Laienpriestern errichtet.

1482

Epitaph Ludwig von Rothensteins

Ludwig von Rothenstein stirbt am 8. Mai auf seiner Burg Leonstein in Kärnten. Sein Erbe geht auf den Sohn seiner Schwester Korona – Heinrich von Pappenheim – über. Die rothensteinischen Verwandten gehen leer aus.

1482

Heinrich von Pappenheim verstirbt noch im gleichen Jahr wie sein Onkel Ludwig. Seine Söhne Wilhelm und Alexander teilen das Erbe. Wilhelm begründet die Linie Pappenheim-Rothenstein, Alexander die Linie Pappenheim-Grönenbach. Wobei auch Wilhelm weitere Besitzungen in Grönenbach hat.

1485

Verleihung des Marktrechts durch Friedrich III.

Kaiser Friedrich III. verleiht Grönenbach das Marktrecht.

1495

Innenansicht derr Stiftskirche in Grönenbach

Nach Erhebung zur Stiftskirche im Jahr 1479 wurde diese vergrößert und nun zum dritten Mal eingeweiht durch Weihbischof Johannes aus Augsburg.

1503 / 1506

Alexander und Wilhelm werden von den Rothensteinern vertrieben, da diese die Erbregelung Ludwigs nicht anerkennen.

1508

Wappenschild des Schwäbischen Bundes

Der schwäbische Bund marschiert in Grönenbach ein um das Erbe Wilhelms und Alexanders zu sichern, kann die Streitigkeiten jedoch nicht beenden. Im gleichen Jahr entscheidet die Regierung in Innsbruck den Erbstreit. Die Rothensteiner erhalten ihre Stammburg zurück, die restlichen Güter bleiben bei den Pappenheimern.

1511

Epitaph Alexander von Pappenheim

Alexander I. von Pappenheim stirbt. Der Grönenbacher Besitz geht an seinen Sohn Heinrich Burghard und in der Folge an dessen Sohn Alexander II. über.

1514

Burg Rothenstein

Die Rothensteiner sehen sich gezwungen ihre Stammburg an die Pappenheimer zu verkaufen.

1526

Hans Häberlin, ein reformierter Laienprediger aus Grönenbach, wird am 14. Juni in Leubas bei Kempten auf Betreiben des Schwäbischen Bundes hingerichtet.

1558

Epitaph Wolfgang von Pappenheim

Wolfgang von Pappenheim, der Sohn Wilhelms, stirbt. Wolfgangs Söhne – Philipp, Wolfgang und Christoph – treten daraufhin eine Pilgerfahrt nach Jerusalem an. Philipp kehrt früher um, lernt in der Schweiz den reformierten Prädikanten Bächli kennen und nimmt das calvinistische Bekenntnis an.

1559

Philipp von Pappenheim führt nach dem Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens (1555) "cuius regio, eius religio" die reformierte Konfession nach Zwingli und Calvin für seine Untertanen ein. Die Stiftskirche wird fortan als Simultankirche von den Katholiken und Reformierten genutzt.

1562

Hans Heinrich auf der Votivtafel der Rothensteiner

Der letzte männliche Rothensteiner – Hans (Heinrich) – stirbt. Damit erlischt dass Adelsgeschlecht der Rothensteiner.

1563

Unteres Schloss

Das Untere Schloss wird von den Brüdern Conrad, Philipp, Wolfgang und Christoph als Witwensitz errichtet.

1572

Kollegiatstift

Das Kollegiatstift brennt ab und wird in den Folgejahren wieder aufgebaut.

1599

Epitaph Joachim von Pappenheim

Joachim von Pappenheim, der einzige Sohn Alexanders II. stirbt. Damit erlischt die Linie der Pappenheimer in Grönenbach, da keine weiteren männlichen Erben existieren.

1612

Anna von Pappenheim, Ehefrau Otto Heinrich Graf Fuggers

Alexander II. stirbt und vermacht alles seiner Tochter Anna. Diese ist mit Otto Heinrich Graf Fugger von Kirchberg und zu Weißenhorn vermählt. Damit kommen die Fugger in Besitz der Herrschaft Grönenbach. Die Ehe bleibt kinderlos.

1613

Testament Philipp von Pappenheims, 1613

Philipp von Pappenheim errichtet sein Testament in dem er den Fortbestand der reformierten Lehre in Grönenbach sicherstellt und hierfür die freien Reichsstädte Memmingen und Lindau als Testamentsvollstrecker ernennt.

1619

Am 13. November stirbt Philipp von Pappenheim.

1621

Otto Heinrich Fugger

Otto Heinrich Fugger vertreibt den calvinistischen Prädikanten Philippus Gessertus gemäß eines Dekrets des Fürstabts von Kempten. Die Simultannutzung der Stiftskirche endet.

1625

Unteres Schloss

Im Unteren Schloss lässt die Witwe Philipps, Anna von Pappenheim, heimlich calvinistische Gottesdienste durch den Prädikanten Adolf Langhans abhalten.

1628

Augsburger Pesttafel mit dem Triumph des Todes (zwischen 1607 und 1635)

Die Pest grassiert in Grönenbach und fordert in der Zeit vom 16. September bis Weihnachten diesen Jahres 86 Opfer. Auch in den Folgejahren fallen weitere Bürger der Pest anheim.

1632

Spitalkirche mit Heilig-Geist-Spital

Die Schweden ziehen durch Grönenbach, erstürmen das Hohe Schloss und brennen 35 Häuser nieder, ebenso das Heilig-Geist-Spital und die Spitalkirche.

1635

Anna von Pappenheim (geb. von Winneberg und Beilstein), die Gemahlin Philipps, stirbt in Memmingen an der Pest. Da die Nutzung der Stiftskirche für die Reformierten verboten war, wurde die Gruft gewaltsam aufgebrochen um ihren Leichnam aufzubahren. Das Begräbnis wurde rund eine Woche später nachts abgehalten.

1644

Otto Heinrich Fugger

Otto Heinrich Fugger stirbt und vermacht seinen Grönenbacher Besitz seinem Sohn Bonaventura. Er und sein Bruder Paul erweitern das Hohe Schloss um den sogenannten Fuggeranbau an der Ostseite.

1646

Feldmarschall Carl Gustaf Wrangel

Die Schweden ziehen ein zweites Mal durch Schwaben. Der schwedische Feldmarschall Carl Gustav Wrangel bezieht für mehrere Monate Quartier auf der Burg Rothenstein.

1649

Spitalkirche mit Heilig-Geist-Spital

Nach Ende des 30-jährigen Krieges erhalten die reformierten Gläubigen die Spitalkirche zum gottesdienstlichen Gebrauch.

1692 / 1695

Das Fürststift Kempten erhält das Lehen Grönenbach gegen Zahlungen von 65.000 bzw. 60.000 Gulden von den Fuggern zurück.

1692

Wappen des Fürststifts und Rupert von Bodemans am Kirchturm der Stiftskirche

Der Kemptner Fürstabt Rupert von Bodman zieht im Januar feierlich in das Kollegiatstift ein und nimmt es offiziell in Besitz. Das Wappen des Fürststifts Kempten und Rupert von Bodmans sind am Kirchturm angebracht.

1695

Im Hohen Schloss wird durch den Fürstabt ein Pflegamt errichtet.

1703

Während des Spanischen Erbfolgekriegs wird Grönenbach durch bayerisch-französische Truppen eingenommen und das Hohe Schloss gestürmt.

1723

Innenansicht der Spitalkirche

Die wieder aufgebaute Spitalkirche kann erstmals wieder für einen Gottesdienst genutzt werden.

1741 / 1744 / 1745

Französische Truppen ziehen im Zuge des Österreichischen Erbfolgekriegs mehrfach durch das Gebiet um Grönenbach.

1803

Durch die Säkularisation wird Grönenbach bayerisch. Das gesamte Inventar des Hohen Schlosses wird versteigert und das Kollegiatstift aufgelöst.

1804

Das Hohe Schloss beherbergt ein königlich-bayerisches Landgericht. Bis zum Umzug 1878 nach Memmingen hat es dort seinen Sitz.

1808

Spitalkirche mit Heilig-Geist-Spital

Die Reformierten erwerben die Spitalkirche und das angrenzende Grundstück samt Heilig-Geist-Spital.

1825

Michael Weißenbach unterhält bis circa 1836 eine Seidenraupenzucht.

1838

Wappen von Grönenbach

König Ludwig I. von Bayern genehmigt das Gemeindewappen. Es zeigt auf grünem Wappenschild einen silbernem Bach.

1842 – 1843

Gedenktafel für Sebastian Kneipp.

Sebastian Kneipp verweilt in Grönenbach und lernt Latein.

1853

Eine Postexpedition wird errichtet und 1890 ein Postamt eröffnet.

1862 / 1863

Bahnhof im Ortsteil Thal

Die Gleise der Illertahlbahn werden verlegt. Der Bahnhof wird rund 2 km östlich des Ortes errichtet.

1873

Burgruine Rothenstein

Die Burg Rothenstein stürzt aufgrund eines Erdrutsches am 19. März ein und wird später zur Zertrümmerung verkauft.

1880

Kirchturm der Spitalkirche

Die Spitalkirche erhält einen Kirchturm in klassizistischem Stil, finanziell unterstützt von der Zürcher Gemeinde.

1881

Wilhelm Cronenberg erwirbt das Hohe Schloss und richtet dort ein graphisch-photographisches Institut ein.

1886

Das Forstamt wird eröffnet.

1896

Grönenbach erhält eine Telegraphenstation.

1898

Logo des Heimat- und Verschönerungsvereins e.V.

Der Verschönerungsverein Grönenbach (heute: Heimat- und Verschönerungsverein e.V. Bad Grönenbach) wird am 8. Juni gegründet. Die erste Mitgliederliste weist 44 Personen aus. 1. Vorsitzender ist Bürgermeister Josef Gantner.

1901

Das Hohe Schloss wird von Dominikus Ringeisen erworben. Dieser bringt darin eine Filiale der von ihm gegründeten Sankt Josefskongregation unter. Das Hohe Schloss bleibt bis 1996 im Besitz der Ursberger Schwestern, die es dann an die Gemeinde verkaufen.

1914 – 1918

Der 1. Weltkrieg fordert 72 Gefallene und Vermisste aus Grönenbach.

1936 – 1937

Rathaus von 1936/1937

Das Rathaus am Marktplatz wird errichtet. Die Westseite zeigt ein Sgraffito des Grönenbacher Kunstmalers Ludwig Eberle.

1939 – 1945

Kriegerdenkmal

Im 2. Weltkrieg fallen 244 Bürger aus Grönenbach oder werden vermisst.

1954

Grönenbach erhält das Prädikat Kneippkurort.

1981

Castilentiuhr

Seit dem 25. August unterhält Grönenbach eine Partnerschaft mit der Gemeinde Castilenti in der italienischen Provinz Teramo.

1996

Nachdem die Ursberger Schwestern aus dem Hohen Schloss ausgezogen sind, wird es von der Gemeinde erworben.

1996

Auf Wiedersehen im Kneippheilbad Grönenbach

Grönenbach erhält das Prädikat Kneippheilbad und nennt sich seitdem Bad Grönenbach.

2021

Hohes Schloss

Das Hohe Schloss wird an einen Investor verkauft. Es soll darin zukünftig ein 4-Sterne Hotel und Restaurant untergebracht werden.

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