Hans Häberlin – ein Grönenbacher Laienprediger

Hans Häberlin

Hans Häberlin – ein Grönenbacher Laienprediger

Hans Häberlin – ein Grönenbacher Laienprediger

Nur wenige Jahre nach Martin Luthers 95 Thesen von 1517 erreichte die Reformation auch unsere Gegend. Der Priester Matthias Waibel predigte die Lehre der Reformation leidenschaftlich in Memmingen und vor allem auch in Kempten, wovon der Grönenbacher Hans Häberlin davon sehr beeindruckt war und sich dadurch für die evangelische Lehre gewinnen lies.


Das Geburtsjahr des Grönenbacher Bauern Hans Häberlin ist nicht genau bekannt, dürfte aber am Ende des 15. Jahrhunderts liegen. Als er in den 1520er-Jahren mit der evangelischen Lehre in Kontakt kam, war er so davon überzeugt, dass er das Lesen erlernte und sich ein Neues Testament zulegte. Die Übersetzung der Bibel ins Deutsche durch Martin Luther fand erst kurz vorher 1521/1522 statt. Waibel, der öffentlich die neue Lehre predigte, unterrichtete und ermutigte Häberlin, es ihm gleich zu tun. Nachdem der Bauernaufstand in der Schlacht bei Leubas im Juli 1525 vom Schwäbischen Bund niedergeschlagen wurde, sollten auch den noch verbliebenen aufrührerischen Bestrebungen ein Ende gesetzt werden. Dies führte zur Verhaftung und Hinrichtung seines Förderers Matthias Waibel im September 1525.


Durch den Tod Waibels sah Hans Häberlin nun die Zeit gekommen, selbst öffentlich die neue Lehre zu predigen. Seine Predigten hielt er dabei nicht nur in seinem Heimatort in Grönenbach, sondern darüber hinaus u. a. in Wiggensbach und bei Altusried. Zuhörer, teils mehrere Hundert, kamen sowohl aus den umliegenden Dörfern als auch aus den Städten Leutkirch und Kempten. In seinen Predigten verlangte er die Austeilung des Abendmahls in beiderlei Gestalt, Brot und Wein, und vertrat das Priestertum aller Gläubigen, was er in der eigenen Taufe seines Kindes selbst durchführte.


Seine Predigten und der große Zulauf riefen erneut den Schwäbischen Bund auf den Plan. So kam es am 15. April 1526 zu Häberlins Verhaftung, als er auf freiem Felde bei Wiggensbach vor rund 800 Zuhörern predigte. Landsknechte, die sich unter die Zuschauer mischten, nahmen ihn gefangen, unterstützt von bewaffneten Reitern. Er wurde auf der Burg Neuenburg südöstlich von Durach gefangen genommen, verhört und gefoltert. Er stand dabei zu dem, was er tat, woraufhin er vom Schwäbischen Bund zum Tode verurteilt wurde. Da sich der Landvogt Moritz von Altmannshofen weigerte, dieses Urteil zu vollstrecken, beauftragte der Schwäbische Bund den Hauptmann Diepold von Stein damit, das Urteil umzusetzen. Dessen Henker Berchthold Aichlin, der schon Matthias Waibel hingerichtet hatte, hängte Hans Häberlin am 14. Juni 1526 an einem Baum bei Leubas. Dort gibt es bis heute einen Häberlinweg, der an den jungen Reformator aus unserer Heimat erinnert.


Mit Hans Häberlin endet ein frühes Kapitel der Reformation rund um Bad Grönenbach. Damit wurde sicher schon der Boden vorbereitet für die Reformation nach Schweizer Vorbild, die Philipp von Pappenheim 1559 nach Bad Grönenbach brachte, aber das ist eine andere Geschichte.

Häberlinweg in Leubas, Kempten

Quellen

  • Dr. Josef Heberle: Hans Häberlin von Grönenbach. In: Schwäbischer Erzähler, Nr. 5, 1926
  • Otto Erhard: Kempter Reformationsgeschichte – Die Reformation der Kirche in Kempten. Druck und Verlag von Tobias Dannheimer, Kempten, 1917
  • Jos. Edmund Jörg: Deutschland in der Revolutionsperiode von 1522 bis 1526. Herder’sche Verlagshandlung, Freiburg im Breisgau, 1851
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